Meine Statistenrolle im Bollywoodfilm Humshakals

Humshakals Drehtag in Mumbai – Wer hatte nicht schon den Wunsch: „Ich möchte in einem Film mitspielen“?

In einem Bollywoodfilm eine Rolle zu bekommen ist das garnicht so schwer!
Natürlich wird man nicht gleich ein Bollywoodstar werden, aber eine Statistenrolle kann man auch im Urlaub ergattern!

Wie es zu meiner Rolle im Film Humshakals kam

Ich hatte vor meiner Reise mehrere Male gelesen, dass es in Mumbai kein Problem sein sollte in einem Film mitzuspielen, weil dort jeden Tag europäisch aussehende Statisten gesucht werden.
Aber warum werden europäisch aussehende Menschen für Bollywoodfilme gesucht?

Es ist so:
Innerhalb der Bollywoodfilme gibt es oft Szenen, die z. B. in den USA oder in Großbritannien spielen.
Innerhalb dieser Szenen werden natürlich weißhäutige Menschen gebraucht.
Da die Bollywoodfilmindustrie jedes Jahr ca. 900 Filme dreht, sind die Filmagenten in Mumbai jeden Tag auf der Suche nach Statisten. Wir hatten nun das Glück, das genau zu diesem Zeitpunkt Humshakals gedreht wurde.

Filmagenten finden

Meistens halten sie sich an den internationalen Flughäfen und an typischen Touristenorten wie zum Beispiel dem Gate of India oder der Einkaufsstrasse im Viertel Colaba auf, um Touristen anzusprechen.

Als ich in Mumbai mit dem Flugzeug ankam, landeten wir auf dem Innerlandflughafen anstatt auf dem Internationalen Flughafen, weil wir von Jaipur nach Mumbai geflogen waren.

Auf dem Innerlandflughafen wurden wir natürlich nicht angesprochen, weil die Agenten an so einem Flughafen ja nicht mit Touristen rechnen und deswegen dort auch nicht auf Touristen warten. Am India Gate wurden wir von so vielen Menschen angesprochen, dass ich schon gar nicht mehr zuhörte, was diese Menschen überhaupt von uns wollten – vielleicht war das eine verpasste Chance von einem der Filmagenten gecastet zu werden?

Am nächsten Tag waren wir zum Mumbai Shopping in Colaba unterwegs. Wir liefen auf der langen Strasse Shahid Bhagat Singh Marg entlang und wurden wieder von vielen Indern angesprochen. Diesmal hörte ich es mir genauer an, was die Inder mir zuriefen. Ich hoffte, dass wir innerhalb unseres Urlaubs Bollywoodschauspieler werden bzw. eine kleine Statistenrolle ergattern können.

Und ich hatte Glück, einer der Inder sprach plötzlich das Wort Bollywood aus!
Ich war gerade schon dabei an ihm vorbei zu gehen und weiter zu gehen, aber als ich das Wort hörte, kehrte ich um und hörte mir an was er zu sagen hatte.

Es werden Statisten gesucht für den Bollywoodfilm HUMSHAKALS
(Komödie), einem der Saif Ali Khan Filme!

Und zwar gleich für den nächsten Tag von morgens bis abends.
Es solle ein großer Spaß werden, wir sollen alle zusammen im Team mit den Schauspielern arbeiten.
Wir willigten ein.
Was für ein feierlicher Augenblick!
Auf meine Bitte hin wurde uns erlaubt ein Foto von uns allen zu machen:

Filmagenten

Ich bekam eine Visitenkarte in die Hand gedrückt.

Visitenkarte

Ankunft am Set

Am nächsten Tag durften wir um 9 Uhr im Meboob Filmstudio aufkreuzen.

Hier seht ihr wie es vor dem Eingang des Hauses in dem auch die Umkleidekabinen waren aussah:

vorDenFilmstudios

Es waren auch viele andere weißhäutige Ausländer und Ausländerinnen da: Schweden, Koreaner, Engländer, Dänen, Franzosen – alles Multikulti!

In der Umkleide erwartete mich eine Kleiderkammer mit vielen bunten Damenkleidern und hohen Stöckelschuhen.
Ich sollte mir nun ein passendes Kleid aussuchen.
Es halfen mir viele nette junge indische Frauen und suchten in Frage kommende Kleider heraus.

Eine der netten Frauen war immer dabei per Headset mit dem Rest der Crew zu sprechen.
Anscheinend war sie für die Koordination verantwortlich.
Sie hatte ein weites grellgelbes Hemd (darüber einen hellen Kapuzenpulli), enge Hosen und sportliche Turnschuhe an.
Ihre Haare waren zu einem praktischen Zopf relativ locker hochgebunden.

Hier in dem linken Bild steht sie ganz links und in dem rechten Bild ist sie vergrößert.

Ganz links die engagierte Frau nette Frau

Auf jeden Fall war sie die „gute Seele“ des Filmteams und ich bekam ein paar Mal mit wie sie den Regisseur und einen anderen Mitarbeiter ermahnte nicht so unfreundlich zu sein.
Der Mitarbeiter war wie es aussah total unter Stress und ließ das ein bißchen an seinen Mitmenschen aus.
Es war auf jeden Fall sehr interessant bei der Organisation zuzusehen.

Da ich kein passendes Kleid fand, blieb ich erst mal in meiner Alltagskleidung.
Im Frühstücksraum gab es Äpfel, Bananen, Toast mit Käse und Ei.
Anscheinend wollten die Veranstalter dem typischen Reisedurchfall der Touristen vorbeugen 😛

Die Bollywoodstars Bilder

Ein „den hab ich doch schon irgendwo gesehen“ Gesicht der älteren Generation (bekannter Bollywood-Schauspieler) war auch im Frühstücksraum und unterhielt sich interessiert mit einigen Statisten.
Er tanzte ziemlich lustig vorm Spiegel auf und ab.
Wir mussten lachen!

FrühstücksraumMitSonnenbrillenMann2

Wir durften dann einen kurzen Blick auf das Set von Humshakals werfen.
Das Set spielte in einem großen Ballsaal mit einer Bühne am Saalende.
Der Saal war sehr festlich hergerichtet und mit Kerzenständern und Kronenleuchtern verziert.

Wir setzten uns vor den Eingang zum Set und machten ein paar Fotos von den Schauspielern, die gerade zum Set gingen.

Hier ist Tamannaah Bhatia links in klein und rechts in Großaufnahme zu sehen. Sie spielt eine wichtige Rolle im Humshakalsfilm.

BollywoodschauspielerinAndere BollywoodschauspielerinAndere2

Hier ist Bipasha Basu links in klein und rechts vergrößert zu sehen:

Bollywoodschauspielerin2 Bipasha Basu

Was ging ab am Set?

Nachher kam unser Filmagent zurück und sprach mich an, warum ich denn kein Kleid hätte.
Er meinte, dass es bestimmt noch ein Kleid gäbe, was mir passt.

Er meinte es wäre jetzt genug Zeit, um es sonst von einem Schneider anpassen zu lassen.

Gesagt getan!
Wir gingen zurück und ein Inder nähte ein rotes, etwas zu weites Kleid, so dass es mir besser passte.

Am Set sollten wir uns alle so hinstellen, dass ein Mann in einem Rollstuhl, der von zwei jungen Frauen gefahren wurde, in unserer Mitte wie durch eine Allee durchfahren konnte.

Hier ist ein Bild des Rollstuhlmannes während er zum Set geht (nein er ist in Wirklichkeit kein Rollstuhlfahrer):

Rollstuhlmann

Zuerst wurde uns von einem der Anweiser gesagt, dass wir uns freuen sollen und lachen sollen und immer wieder den Namen des Mannes sagen sollen, der im Rollstuhl durch uns als Menschenmenge durchrollt.
Aber der Regisseur war sehr unzufrieden und es hieß gleich „Cut“.

Wir mussten die Szene noch einmal drehen.
Dieses Mal sollten wir nicht lachen.

Der Regisseur schimpfte den Anweiser aus bzw. schrie ihn regelrecht an von wegen: „You said to them they should laugh?“.
Wir sollten die Szene also ohne Lachen drehen und während dem der Rollstuhlfahrer durchfährt die ganze Zeit seinen Namen rufen.
(Den komplizierten indischen Namen habe ich leider vergessen).

Das gefiel dem Regisseur immer noch nicht und wir sollten die Szene dann letztendlich drehen ohne etwas zu sagen und sollten einfach nur ernst zu dem Rollstuhlfahrer gucken.

In dieser Szene stehe ich ganz am Anfang der Reihe an der der Rollstuhlmann vorbeirollt.

Der Regisseur war übrigens fast die ganze Zeit sehr cholerisch!
Aber wahrscheinlich läuft die Bude nur, wenn sich der Regisseur durchsetzen kann.
Zum Beispiel schrie er sehr oft, dass wir alle leise sein sollen, weil er sich sonst nicht konzentrieren kann.
Da hatte er allerdings recht – 100 Menschen auf einem Fleck sind schwer ruhig zu kriegen.

Es passierte noch etwas krasses:
Ein Junge, der wohl erst neu im Filmteam war, fragte den Regisseur etwas und nannte ihn dabei mit Vornamen.
Der Regisseur war so stinksauer, dass er ihn anbrüllte „FOR YOU I`M SIR!!! DO YOU WANT TO LOOSE YOUR JOB?“
Danach fragte der Regisseur seinen Kollegen sofort nach dem Namen des Jungen.
Oh oh…

Anschließend kamen noch mehrere Szenen in denen der Rollstuhlfahrer durch unsere Menschenmenge durchfuhr.
Wir hatten dann eine Stunde Mittagspause.
Es gab Hähnchenfleisch, zwei verschiedene Sorten Risotto, Soße, Fladenbrot und indisches Eis am Stiel als Nachtisch.
Außerdem wurde Wasser ausgeteilt.
Das Mittagessen war auf jeden Fall ok!

Die Stars hatten ihre eigenes klimatisiertes Zelt in dem sie Pause machen konnten:

EssensraumDerSTars

Nach der Mittagspause kamen mehrere Szenen in denen wir nach vorne auf die Bühne schauen sollten.
Auf der Bühne spielten sich verschiedene Szenerien mit mehreren Männern (unter anderem Salif Khan) ab.
Einer der Männer spielte Prinz Charles.
In der einen Szene wurde während einer Vertragsunterzeichnung eine Pistole herausgeholt.
Um diese Pistole wurde dann gerungen. Je nachdem in welche Richtung die Pistole gerade zeigte, sollte die gesamte Menschenmenge sich nach vorne beugen oder sich zurück beugen.
Das war ziemlich witzig, weil wir uns so sehr oft nach vorne und zurück beugen mussten.
In einer weiteren Szene sollten wir alle zugleich mit dem rechten Auge zwinkern.
Stellt euch vor, 100 Menschen zwinkern alle zur gleichen Zeit mit einem Auge 😉
Das war gar nicht so einfach.
Es war ein asiatisch aussehender Mann dabei, der einfach nicht mitmachte, obwohl der Regisseur ihn mehrere Male dazu aufforderte.
Anscheinend konnte er kein englisch.
Bis er endlich verstanden hatte was er machen sollte, mussten wir mehrere Male zwinkern.

Es gab dann noch eine Situation in der der Regisseur eine Mitarbeiterin anschrie und das kam so:
Der Regisseur rief, dass Schauspielerin xyz jetzt kommen solle.
Diese war aber garnicht im Raum, sondern noch in ihrem Tourbus.

Es reagierte niemand und die Schauspielerin kam nicht.

Erst als der Regisseur ein drittes Mal rief, rannte die junge sympathische Frau mit den Turnschuhen und dem grellgelben Hemd los und holte die Schauspielerin.

Der Regisseur schrie ihr hinterher: „DO YOU WANT TO LOOSE YOUR JOB?“
Wobei ich glaube, dass sie ihren Job als letzte verlieren würde, weil sie wirklich super engagiert war den ganzen Drehtag über.

engagierte Frau NetteFFRau

Nach mehreren Stunden taten mir die Füße ziemlich weh und ich legte die Stöckelschuhe einfach bei Seite und zog meine eigenen Schuhe an.
Diese sah man unter dem langen roten Kleid sowieso nicht.

Anscheinend waren dann alle Szenen mit dem „Prinz Charles“-Darsteller fertig, weil er sich ganz nett mit einer Verbeugung von uns verabschiedete und wir klatschten daraufhin alle ganz begeistert.
Auch Sahif Khan machte zwischendurch witzige Mimiken, um uns Statisten zum Lachen zu bringen.

Er war übrigens die ganze Zeit nur auf der Bühne oder versteckte sich in seinem Bus, so dass man ihn nicht zu fassen bekam.

Zum Abendbrot gab es einen Burger von Mcdonalds, Weintrauben, Toast und Käse.
Auch das Abendbrot war in Ordnung.

 

Insgesamt war es ein echtes Abenteuer in dem Bollywoodfilm mitzuspielen. Aber es war auch anstrengend, weil wir lange Zeit stehen mussten und einige Szenen mehrere Male gedreht werden mussten – aber das gehört ja bekanntlich zum Alltag eines „echten Schauspielers“ dazu.
Die Filmagenten und alle anderen am Set kümmerten sich sehr um uns und fragten uns immer wieder, ob alles ok sei und ob wir noch etwas brauchen würden.

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